Konzertvorschau Tarantionparty

•Februar 26, 2009 • Schreibe einen Kommentar

TARANTINO NIGHT
Präsentiert von AlohaTarantino.ch
DJs Ghost & Moon Rider

Musikstil: 60’s, 70’s Sounds
Türöffnung: 23:00
Beginn: Ab 23:00 Uhr
Mindestalter: Ab 18 Jahre

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Konzertvorschau Die Granate XXVIII

•Februar 26, 2009 • Schreibe einen Kommentar

DIE GRANATE XXVIII FEAT. OLLIE TEEBA DJ SET (THE HERBALISER, UK)
Präsentiert von Freshcuts.ch & Carhartt
Support: The Dawn & Pacman

Musikstil: Funk, Breaks, PartyBreaks
Türöffnung: 23:00
Beginn: 23:00
Mindestalter: Ab 18 Jahren

 

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Album der Woche

•Februar 20, 2009 • Schreibe einen Kommentar

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Thursday – Common Existence

Es gibt sie nur all zu selten, die Bands welche einem mit jeder Neuerscheinungen erneut zeigen warum man sie so schätzt. Mich verbindet eine ganz besondere Liebe zu Thursday. Thursday lernten mich harte, aber emotionsbeladene Musik zu lieben. Thursday waren Emo, lange bevor der Begriff durch schwarzgeschminkte Teenis in den Dreck gezogen wurde. Heute nennt man Musik von Thursday Post-Hardcore ihre Faszination hat sie deswegen nicht eingebüsst.

Man hört Thursday auf ihrer neuen Platte den Wechseln vom Majorlabel (Universal/Island) zurück zu Epitaph an. Wo der Vorgänger „A City by the Light“ vorsichtig den Pfad zum Mainstream einschlug, ist „Common Existence“ geprägt von reiner Spielfreude und das merkt man der Platte an. Sie ist brachial, tieftraurig und trotzdem hoffnungsvoll. Wenn Geoff Rickly in „Friends in the armed forces“ singt und schreit das seine Freund gefälligst in einem Stück aus dem Krieg zurückkehren sollen das ist das einfach glaubhaft. Diese Band vereint mehr Emotionen also 100 Popstars gemeinsam und das schönste daran man glaubt ihnen. Es erscheint angesichts des emotionsvollen Gesangs und der Songstrukturen einfach abwägig das diese Band etwas anderes als die pure Wahrheit besingt.

Ich bin was Thursday anbelangt meilenweit davon empfernt neutral zu sein. Wobei sich Thursday und Neutralität sowiso gegenseitig ausschliessen, entweder man liebt ihren speziellen Sound der am ehsten noch Parallenen zu Thrice hat. Oder man steckt sie leichtfertig in die Emo-Schublade zusammen mit Panic! at the Disco und Konsorten, was Thursday (wie auch Thrice) in keinster Weise gerecht werden würde. Diese Band ist eine Ausnahmeerscheinung und jeder Versuch sie in irgendeine Schublade zu stecken ist von Vornerein zum Scheitern verurteilt.

Wertung 10/10

Anhören?  http://www.myspace.com/thursday

Abgehoert Reportagen Part 2 60 Jahre Vinyl-LP

•Februar 20, 2009 • Schreibe einen Kommentar

Digital? Ganz egal! Das Fundament der Popkultur ist aus schwarzem PVC. Vor 60 Jahren wurde die Langspielplatte erfunden – und revolutionierte die moderne Gesellschaft. Die Vinylscheibe verhalf dem Rock’n’Roll zum Durchbruch und begründete die DJ-Kultur. Dann wurde sie selbst zum Musikinstrument. Von Sonja Schewe

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Das subtile Spiel von Klavierlegende Vladimir Horowitz schwoll gerade zu einem raunenden Tosen an, wogende Bässe verwoben sich mit klirrenden Kadenzen zu einem mächtigen Crescendo – da machte es „klack“. Die Stahlnadel des Grammophons hatte nach gerade einmal vier Minuten das Ende der Schellackschallplatte erreicht und die aufgewühlten Zuhörer vor dem dramatischen Höhepunkt ins akustische Nichts fallen lassen. Als sechs gewechselte Schallplatten und fünf musikalische Unterbrechungen später endlich der Schlussakkord von Brahms‘ 2. Klavierkonzert ertönte, hatte einer der Zuhörer an diesem Herbstabend 1945 endgültig genug.

Und so beschloss Dr. Peter Goldmark, Elektroingenieur bei der US-Plattenfirma CBS und begeisterter Klassikliebhaber, einen neuartigen Klangträger zu entwickeln – mit wesentlich längerer Spieldauer und besserem Sound als die seit Jahrzehnten übliche Schelllackplatte. Nach drei Jahren Forschungsarbeit präsentierte Goldmark seine Erfindung schließlich der Öffentlichkeit: Am 21. Juni 1948 drehte sich in New York die erste Langspielplatte aus rauscharmem Polyvinylchlorid auf dem Plattenteller.

Die Vinyl-LP war eine echte Revolution – für die Musikindustrie, der das „schwarze Gold“ (Branchenjargon) satte Gewinne bescherte, genau wie für Klangfanatiker, die den warmen analogen Ton bis heute allen digitalen Musikkonserven vorziehen. Mehr noch: Die Scheibe mit der extralangen „Microgroove“-Rille veränderte fundamental unsere Gesellschaft. In kongenialer Partnerschaft mit dem Radio eroberte sie die Jugend der Welt und verhalf dem Rock’n’Roll zum Durchbruch: Auf dem Plattenteller des Dr. Goldmark drehte sich das Fundament des Pop-Zeitalters.

Die Entdeckung der Langsamkeit

Doch zunächst schien der Fortschritt vor allem technologischer und ästhetischer Natur. Als die Deutsche Grammophon 1951 die erste deutsche Langspielplatte veröffentlichte – ein Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy – ging den Klassikfans das Herz auf. Die Spieldauer von 20 bis 30 Minuten, genug für einen Opernakt oder sogar eine Symphonie, war eine Sensation – kaum noch vorstellbar in Zeiten, in denen Mozarts Gesamtwerk locker auf den MP3-Player passt.

Goldmarks genialer Trick war die Entdeckung der Langsamkeit. Während die Schellackplatte mit 78 Umdrehungen pro Minute wild auf dem Plattenteller wirbelte, kreiste die Langspielplatte aus PVC mit 33 1/3 Umdrehungen beinahe gemächlich um ihr Zentrum – entsprechend später erreichte die Nadel das Ende der Scheibe. Dazu ermöglichte das neuartige Vinyl deutlich schmalere Rillen und verlängerte damit noch einmal den Musikgenuss. Die Erfindung der Stereoschallplatte 1958 durch die Firma Mercury machte die LP endgültig zum konkurrenzlosen Klangerlebnis – im gleichen Jahr wurden Herstellung und Verkauf von Schellackplatten in Deutschland eingestellt.

Kult wurde Vinyl mit der Einführung der Single. Ab 1949 brachte der Plattenriese RCA die kleinen schwarzen Scheiben mit nur 17 Zentimeter Durchmesser und einem Song auf jeder Seite auf den Markt. Die Single war das perfekte Produkt für die musikhungrige Jugend. Die Single war leicht, handlich, nahezu unzerbrechlich – und machte so die eigene Wunschmusik mobil. Dank tragbarer Miniplattenspieler konnten die Hits von Elvis, Chuck Berry oder den Everly Brothers zum Petticoat-Swingen mit in den Park oder an den Strand genommen werden. Abends ging es auf den „Record Hop“ – Tanzveranstaltungen, bei denen statt Live-Band ein Mann im großkarierten Sakko am Plattenspieler einheizte – die ersten Anfänge der DJ-Kultur.

Exzesse im Partykeller

Ein rundes halbes Jahrhundert lang lebten Jugendliche im Rhythmus, den die Vinylscheibe auf dem Plattenteller vorgab – für Generationen ist ihre eigene Geschichte mit dieser oder jener Schallplatte verbunden. Ein Album aus dem Regal gezogen und das abgegriffene Cover betrachtet – schon ist sie da, die Erinnerung. Wie herrlich war es, mit dem Bruder damals auf dem Teppichboden liegend mucksmäuschenstill dem „Dschungelbuch“ oder dem „Sängerkrieg der Heidehasen“ vom Plattenteller zu lauschen oder bei Kindergeburtstagen erste Tanzeinlagen zu Boney M. oder Abba zu wagen.

Und dann die erste selbstgekaufte Platte! Der Kauf war wie ein Initiationsritual. Mit einer LP wurde man zum ernstzunehmenden Menschen – mitunter auch gleich zum Rebellen, wenn zu Mutters Entsetzen langhaarige Lederträger mit Tätowierungen und martialischem Gesichtsausdruck vom Cover blickten. Heute ist die Scheibe mit Kratzern von Exzessen im Partykeller übersäht, aber jedes „Tak, tak, tak“ auch wie ein Zeitzeugenbericht aus der eigenen Vergangenheit: Die Erinnerung an den Kumpel, der damals das Bierglas auf der brandneuen Beatles-LP zerdepperte, hat sich für immer nicht nur in die Platte, sondern auch in das Gedächtnis eingegraben.

Eine Schallplatte aufzulegen, hat etwas Zeremonielles. Keine Chance, sie nebenher beim Joggen oder Autofahren zu hören – das Medium verlangt eine Auszeit vom Multitasking. Ganz vorsichtig wird das gute Stück aus Hülle und Inlet gezogen, die Finger nur am äußersten Rand, um es nicht zu beflecken; dann wird die schwarzglänzende Scheibe auf den Plattenspieler gelegt wie eine Opfergabe auf den Altar. Und die Cover – aufwendig gestaltete Kunstwerke, manchmal aufklappbar oder mit Postern, Aufklebern und dergleichen bestückt; nicht selten von bekannten Künstlern gestaltet – Andy Warhol etwa, der für Velvet Underground das berühmte Bananen-Cover entwarf und für die Rolling Stones das „Love you live“-Doppelalbum illustrierte. Gemessen an den kleinen CD-Plastikhüllen hatte das LP-Cover noch Format, von Downloads ganz zu schweigen.

Das Vinyl lebt!

Seit die CD in den Achtzigern das digitale Musikzeitalter einläutete und die Zahl computerkompatibler Tonträgerformate von MP3 über SACD bis DVD Audio seither immer unüberschaubarer wird, klingelt angeblich auch das Sterbeglöcken für’s Vinyl. Klar – das Plattenhören und -kaufen ist in der Ära beliebig und fast umsonst reproduzierbarer Digitalmusik inzwischen eine Leidenschaft von Minderheiten. Doch die Nachfrage nach der Langrille steigt wieder. Nach dem Tiefststand Mitte der neunziger Jahre, als in Deutschland nur noch 400.000 LPs verkauft wurden, stieg der Verkauf bis 2003 laut Bundesverband Musikindustrie wieder auf eine Million Exemplare.

Vorbei sind die dürren Jahre, als sich Plattenfans bei Sammlerbörsen und auf Flohmärkten mit Second-hand-Vinylglück eindecken mussten. Viele kleine Labels haben inzwischen die Nische Vinyl entdeckt und bringen Musik exklusiv auf schwarzen Scheiben auf den Markt. Aber auch Musikriesen wie Universal oder Deutsche Grammophon reagieren und veröffentlichen wieder verstärkt auf Vinyl – zum Jubiläumsjahr der schwarzen Scheibe lässt Universal eigens 80 Vinylklassiker von Jimi Hendrix bis Nick Drake nachpressen. Und so bieten auch die großen Medien-Supermärkte inzwischen wieder lange Regale mit den schmalen Plattenhüllen im Format 30 mal 30 Zentimeter – „Saturn“ in Köln etwa hat derzeit 30.000 LPs im Sortiment. Und bei spezialisierten Online-Vinylhändlern gibt es mittlerweile fast alle Titel auf LP, vom brandneuen Madonna-Album bis zur alten Sinatra-Aufnahme. Kein Wunder, dass auch Presswerke die Kapazitäten erweitern.

Das Vinyl lebt also. Was wäre auch der DJ ohne Pose am Plattenteller, ohne den körperlichen Einsatz beim Scratchen und Juggeln. Wie unsexy ist es, eine vorprogrammierte Playlist vom Laptop abzunudeln? Inzwischen hat die Platte und ihr Spieler ohnehin das profane Dasein als bloßes Wiedergabemedium hinter sich gelassen und sich höhere Weihen als echtes Musikinstrument erarbeitet. Längst haben Songwriter, Arrangeure und Komponisten die Poesie des Plattenspielerklangs für sich entdeckt. Künstler wie Brite Philip Jeck oder der Deutsche Claus van Bebber etwa entwickeln schon seit den siebziger Jahren Musikformen, für die sie ausschließlich Schallplatten und Turntables verwenden. Aber auch im musikalischen Mainstream benutzen HipHopper und Indie-Bands das Geräuschearsenal der Vinylplatte gern als Stilmittel.

Und auch wenn es altmodisch wirken mag, Musik auf Plastikfladen gepresst aufzubewahren und analog abzuhören – die Schallplatte hat nicht nur nostalgischen Wert, sie ist ein riesiger Kulturschatz: 560 Billionen Platten gibt es heute auf unserem Planeten, schätzt der Vinylexperte Robert Suchy, Geschäftsführer des High-End-Plattenspielerherstellers Clearaudio. Vieles bekommt man anders als auf Vinyl gar nicht zu hören, denn nur der geringste Teil ist digitalisiert. So besteht das Gedächtnis des 20. Jahrhunderts zu einem nicht so kleinen Teil aus PVC. Das ist nicht schlecht, denn im vergleich zur CD ist die Vinylscheibe um einiges haltbarer – ganz abgesehen davon, dass die Daten aus der Rille nicht mit einem falschen Knopfdruck oder einem Festplattencrash verlorengehen können.

Ein Turntable wird sich auch in 50 oder 100 Jahren noch in irgendeinem Keller auftreiben lassen.

Quelle: spiegel.de

Abgehoert Reportagen Part 1

•Februar 16, 2009 • Schreibe einen Kommentar

In Zukunft möchte ich euch die schönstens, kuriositens, unglaublichtsten Reportagen aus dem Spiegel.de Einestags Archiv präsentieren.

Den Anfang macht passend zum gestrigen Valentinstag ein Reportage über das Valentine-Massacre von Chicago 1929

Tödlicher Gruß: Beim „Valentine’s Day Massacre“ vor 80 Jahren durchsiebten Mafiosi in Chicago gleich sieben Rivalen eines konkurrierenden Syndikats. Ganz Amerika vermutete Unterweltlegende Al Capone hinter der Tat, bewiesen wurde es nie. Trotzdem war der Shoot-out für den Gansterboss der Anfang vom Ende. Von Wolfgang Kerler

capone

Es ist Donnerstag, der 14. Februar 1929, 10:30 Uhr. Durch ein leichtes Schneegestöber gleitet fast lautlos ein schwarzer Cadillac und hält vor einem unscheinbaren Lagerhaus mit der Hausnummer 2122 in der North Clark Street in Chicago. Vor dem Nebeneingang stoppt eine weitere dunkle Limousine – beide Wagen sehen den Fahrzeugen der Chicagoer Kriminalpolizei zum Verwechseln ähnlich.

Als ein Lastwagen durch das seitliche Tor ins Haus fährt, schlüpfen zwei Gestalten aus einem der Autos unbemerkt mit in die Lagerhalle – sie sind in Polizeiuniformen gekleidet. Im Inneren überraschen sie sieben Männer, die sich ohne Widerstand von den vermeintlichen Polizisten entwaffnen lassen. Der Reihe nach stellen sie sich mit dem Gesicht zur Wand auf. Durch die Vordertür kommen zwei weitere Männer – sie waren mit der anderen Limousine vorgefahren.

1300 Meilen südöstlich von Chicago, in Miami, Florida, nimmt Al Capone derweil ein kurzes Bad im Schwimmbecken seines Hotels. Im schwarzen Badeanzug wird Capones Übergewicht besonders deutlich. Sein runder Kopf mit den braunen Haaren sitzt auf dem bulligen Oberkörper, ein Hals scheint nicht vorhanden. Über die linke Gesichtshälfte ziehen sich drei Narben aus Teenagerzeiten. Von ihnen rührt Capones verhasster Spitzname: „Scarface“ – Narbengesicht. Der Gangsterboss aus Chicago ist gerade dreißig geworden.

Blutbad mit Maschinengewehren

Ein, zwei Minuten erschallt über die North Clark Street der Lärm der Maschinengewehre. Wie ein Presslufthammer klingt es, als die vier Killer ihre sieben Opfer hinrichten. Sie gehen dabei systematisch vor, von links nach rechts und wieder zurück: Erst schießen sie den Männern in den Hinterkopf, dann auf die Höhe der Brust, schließlich auf Bauchhöhe. Die von Kugeln durchlöcherten Körper sinken auf den Boden. Mit vorgehaltenen Waffen verlassen die zwei „Polizisten“ das Gebäude, ihre Komplizen laufen mit erhobenen Händen vor ihnen her. Schnell verteilt sich die Gruppe über die zwei Autos und verschwindet.

Capone ist zur gleichen Zeit auf dem Weg in die Innenstadt von Miami, wo er zu einem polizeilichen Verhör muss – die Steuerbehörden sind ihm auf den Fersen. Ihnen ist zu Ohren gekommen, dass Capone mit seinem Verbrechersyndikat „Chicago Outfit“ jährlich hunderte Millionen Dollar scheffeln soll – durch Alkoholschmuggel, Glücksspiel, Bordelle, Schutzgeld und andere krumme Geschäfte. Sie wollen wissen, wo diese Einnahmen abgeblieben sind. Doch Capone streitet alles ab. „Ich habe noch nie irgendeinen Alkohol geschmuggelt“, sagt er trotzig. Zur Zeit der Prohibition, von 1920 bis 1933, war in den USA Herstellung, Verkauf und Vertrieb von alkoholischen Getränken strengstens verboten.

Als Capone am selben Abend eine Party gibt, verbreiten Abendzeitungen und Radio bereits die Nachricht vom Blutbad in Chicago. Die Gäste tuscheln zwar, doch keiner wagt es, „Scarface“ Capone auf das Ereignis anzusprechen. Schon jetzt wird gemunkelt, er habe bei dem Verbrechen die Strippen gezogen – handelt es sich bei den Opfern des „Valentinstags-Massakers“ doch um sieben Mitglieder der „North Side Gang“, jenes Verbrecherrings, der seit Jahren mit Capones „Chicago Outfit“ um die Vorherrschaft in der Unterwelt von Amerikas zweitgrößter Stadt kämpft. Der Anführer der „North Side Gang“, Bugs Moran, entging nur deshalb seiner Ermordung, weil er nicht – wie mit seinen Handlangern vereinbart – um halb elf im Lagerhaus der Bande in der North Clark Street erschien.

Bandenkriege wüten in Chicago

„Jeden Tag gab es Schießereien in Chicago, wenn sich die Verbrecherbanden bekämpften“, sagt Mario Gomes, Capone-Historiker und Betreiber des Onlinemuseum „MyAlCaponeMuseum.com“. „Die Leute waren daran gewöhnt, jeden Tag irgendeinen toten Gangster zu sehen.“ Doch das Massaker am Valentinstag ging zu weit. „Da die Polizei korrupt war, sammelten die Geschäftsleute der Stadt Geld, um die Aufklärung des Verbrechens selbst vorantreiben zu können. Sie fürchteten, dass vor lauter Angst niemand mehr nach Chicago kommen würde, um Geschäfte zu machen.“

Schon bevor die ganze Welt über Zeitung und Radio die schwierigen Ermittlungen im Fall „Valentinstags-Massaker“ verfolgen konnten, war Al Capone ein Medienstar. Anstatt die Presse zu meiden – wie es die die anderen Unterweltgrößen taten – umgab er sich gern mit Journalisten, gab Geld für wohltätige Zwecke und verteilte großzügig seine Visitenkarten: Al Capone, Antiquitätenhändler. Dass ihm die Boulevardpresse sehr wohl Verbindungen zur Chicagoer Mafia anschrieb, gab Capone eine faszinierende Aura, durch die er – zum Ärger der Polizei – bei der Bevölkerung nur noch beliebter wurde.

Capone, als Sohn eines italienischen Einwanderers 1899 in New York geboren, kam mit Anfang zwanzig nach Chicago. Dort schlug er sich als Rausschmeißer und Schutzgeldeintreiber durch, brachte es aber, – vor allem wegen seiner uneingeschränkten Loyalität – binnen weniger Jahre zur rechten Hand des Gangsterbosses Johnny Torrio. Als dieser sich 1925 nach einem Mordanschlag aus dem Syndikat zurückzog, übernahm Capone die Leitung über das Netzwerk aus Schnapsbrennereien, Schmugglern, illegalen Clubs und Bordellen.

„Mir gehört die Polizei“

Mit 26 kontrollierte er den Süden Chicagos. Einflussreicher als alle anderen Gangsterbosse der Stadt, verfügte er mit dem „Chicago Outfit“ über 700 bis 1000 Schläger und Gauner, die für ihn die Drecksarbeit erledigten. Capone bezog Hauptquartier in einem Luxushotel, ließ Geldsäcke in seiner Hotelsuite herumliegen und hüllte sich in maßgeschneiderte Kleidung und Diamanten. „Seine Erscheinung, sein Narbengesicht, seine Statur und sein griffiger Name machten ihn einfach zum perfekten König der Unterwelt“, sagt Mario Gomes. „Er wurde zum Vorbild für alle Gangster, die nach ihm kamen.“

Bald war Capones Macht über die Stadt so groß, dass Capone-Biograf John Kobler als Antwort auf die Frage, wer in Chicago eigentlich für Ruhe sorgen konnte, zu folgendem Schluss kommt: „Nicht der Gouverneur des Staates, der Geld veruntreute und Straftäter schützte. Nicht der groteske Bürgermeister von Chicago. Nicht die Staatsanwaltschaft, die noch keinen einzigen Gangster erfolgreich überführt hatte. Und erst Recht nicht die Polizei, über die Capone einmal sagte: ‚Mir gehört die Polizei'“. Wer sonst also konnte für Ordnung sorgen, wenn nicht Capone selbst?

Angesichts dieser Beziehungen ist es für Capone-Experten wie Mario Gomes nicht verwunderlich, dass dem „Scarface“ von der Polizei nie eine Verbindung zum „Valentinstags-Massaker“ nachgewiesen werden konnte, bei dem sein größter Widersacher, „North Side Gang“-Anführer Bugs Maron, hätte umgebracht werden sollen. Die Polizei fand nicht einmal die Killer selbst, da alle festgenommenen Verdächtigen Alibis vorweisen konnten. Und so wird das „Valentinstags-Massaker“ wohl nie ganz geklärt werden können. Auch der oben geschilderte Ablauf des Blutbades ist nur eine – wenngleich die häufigste – Version, die in Capone-Biografien und Filmen dargestellt wird.

Capones Ruf in der Bevölkerung war nach dem Massaker dennoch ramponiert. Und auch seine Karriere überschritt ihren Zenit: Nach mehreren kürzeren Inhaftierungen, unter anderem wegen Waffenbesitzes, wanderte der Ur-Gangster 1931 für fast acht Jahre als Steuerhinterzieher hinter Gitter. Acht Jahre nach seiner Entlassung, am 25. Januar 1947, starb er in Florida an einer Lungenentzündung. Für die von ihm verübten und veranlassten Morde wurde er nie angeklagt oder verurteilt.

 

Quelle: spiegel.de

Einestages Homepage: http://einestages.spiegel.de

Bohnen des Bösen

•Januar 18, 2009 • Schreibe einen Kommentar

Der Kapitalismus ist hinüber, nach dem Schuldigen wird gefahndet: Waren es Investmentbanker oder kreditsüchtige Amis? Wissenschaftler legen jetzt einen anderen Schuldigen nahe: den Grande Triple Shot Cappucino.

Manche sagen, das Elend habe 1987 begonnen, irgendwo in Manhattan. Dort zimmerten einige oberschlaue Investmentbanker der Firma Drexel Burnham Lambert das erste Kreditderivat zusammen – die Mutter all jener collateralized debt obligations, die zurzeit die Bilanzen großer Unternehmen im Wochentakt implodieren lassen.

Nun weiß man: Die Katastrophe begann bereits vier Jahre früher, in einer kleinen Mailänder Espressobar. Dort, im Cafe „L’inizio della fine“ machte ein Mann jene folgenschwere Entdeckung, die ein Vierteljahrhundert später das gesamte westliche Wirtschaftssystem zum Einsturz bringen sollte.

Der Mann hieß Howard Schultz und kostete in Mailand seinen ersten gescheiten Espresso. Der Amerikaner kapierte plötzlich, dass Kaffee nicht wie abgestandenes Brackwasser schmecken muss. Nach seiner Rückkehr in die USA erfand Schultz Starbucks, heute der größte Latte-Dealer des Planeten.

Lange schienen Schultz‘ Shops ein Segen für die gesamte Menschheit zu sein. Erstmals gab es überall lauwarmen Kaffee zu überzogenen Preisen. Besonders gestresste Investmentbanker und Wertpapierhändler wussten die belebende Wirkung des kräftigen Gebräus aus Seattle zu schätzen.

Und so nahm das Verhängnis seinen Lauf.

Eine Studie der Universität Durham hat jetzt aufgedeckt, dass übermäßiger Kaffeekonsum zu Halluzinationen führen kann. Ab der siebten Tasse (330 Milligramm Koffein) fangen Bohnenjunkies an, Dinge zu sehen, die überhaupt nicht vorhanden sind.

Flüssiges Rohypnol im Pappbecher

Sieben Tassen, das klingt nach viel. Ist es aber nicht. Die Durhamer Probanden bekamen nämlich dünnen Filterkaffee verabreicht. Ein Triple-Venti-Cappucino, wie ihn Investmentbanker bevorzugen, hat natürlich deutlich mehr Wumms. Oder anders gesagt: Wenn ein Tässchen Jakobs Krönung einer Aspirin entspricht, dann wirkt ein Eimer von Starbucks wie eine Kurpackung Rohypnol.

Die Merrills und Lehmans kübelten sich täglich vier bis fünf Ventis hinter die Binde, das Äquivalent von 40 bis 50 Tassen normalen Kaffees. Mit dieser Menge Koffein könnte man einen Blauwal vom Wegdösen abhalten. Folglich halluzinierten die Banker drauf los, als hätten sie ein ganzes Löschblatt Sunshine-Acid durchgekaut. Sie erblickten Vermögenswerte, die sonst niemand sah – psychedelische CDOs, trippige Subprime-Hypotheken, abgefahrene Plain Vanilla Swaps.

Wenn man schon nach sieben Tassen blaue Elefanten phantasiert, sieht man nach 50 Bechern natürlich noch viel wahnwitzigeres Zeug: Zum Beispiel Immobilien in Kansas, die ständig im Wert steigen. Oder Anleihen auf abgeklungene Plutonium-Brennstäbe, die ein AAA-Rating aufweisen.

Mit der Zeit wurde der Kaffeekoller zur Gruppenpsychose. Die Banker waren derart mit Tres Rios Costa Rica Bella Vista zugeballert, dass sie begannen, sich ihre Halluzinationen gegenseitig zu verkaufen. Kurz darauf flog uns alles um die Ohren.

Warum stürzt der Kaffeepreis nicht ab?

Das ganze klingt prima facie verrückt, doch das Arabica-Theorem ist über jeden Zweifel erhaben. Das beweist ein Blick auf jene Länder, die von der Finanzkrise am schlimmsten verheert wurden. Die Starbucks-Nation USA? Zerschmettert! Die ständig „Koepi“ süffelnden Südkoreaner? Beim Abdecker! Und womit hielten sich wohl die Isländer während der endlosen Winter warm? Genau, mit viel heißem Macchiato, den sie mit ihren Kaupthing-Kreditkarten bezahlten.

Mutmaßlich kommt demnächst alles noch schlimmer. Denn während sämtliche Rohstoffpreise in den vergangenen Monaten in den Orkus getrudelt sind, blieb der Preis für Kaffeebohnen an den Terminbörsen stabil. Irgendjemand da draußen säuft also nach wie vor Cappuccino aus viel zu großen Bechern.

Sobald uns der Turbo-Kaffee komplett ruiniert hat, kommen dann die Chinesen und kaufen die Überreste unseres Turbo-Kapitalismus auf. Das plant die Führung der Volksrepublik schon seit langem. Oder warum sonst, fragt man sich, trinken die Chinesen ihren Tee aus ganz kleinen Tassen?

Quelle: http://www.spiegel.de

Abgehoert All time favorites: Refused – New Noise

•Januar 10, 2009 • Schreibe einen Kommentar

Refused, die 1992 aus der Band „Step Forward“ entstanden, waren eine schwedische HC/Punk-Band, die sich leider bereits nach sechs Bandjahren 1998 auflöste. In ihrer kurzen Bandgeschichte waren Refused aber überaus aktiv und haben es auf fünf Studioalben und eine Split-EP mit Randy gebracht. Beeindruckend an Refused war, dass sie ihrer Zeit um mindestens zehn Jahre voraus waren. Punkrock mit elektronischen Einflüssen war bis zum ihrem Album „The Shape of Punk to Come“ eher undenkbar.

New Noise gehört zu mich auch heute noch zu den beeindruckensten Songs aus dem HC/Punk Bereich.